Hey, liebe Investierfüchse! 🦊
Deine Eltern sind schuld. An allem. Dass du beim Bezahlen an der Kasse ein schlechtes Gewissen hast, dass du nie über dein Gehalt sprichst oder dass du dein Geld lieber auf dem Sparbuch liegen lässt, weil Aktien ja sowieso nur Zockerei sind. Okay, ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber ein kleines bisschen Wahrheit steckt schon dahinter: Wie du heute über Geld denkst, hast du zu einem großen Teil zu Hause gelernt. Meistens ohne dass es dir jemand erklärt hat (man spricht auch von Sozialisation). Woher also dein „Money Mindset“ eigentlich kommt, was die Forschung dazu sagt und wie du alte Muster ändern kannst, schauen wir uns heute an.
Inhalt dieses Artikels
Was ist eigentlich ein Money Mindset?
Klingt erst mal irgendwie nach einem unseriösen Coaching-Seminar. Gemeint ist aber etwas ziemlich anderes: deine Überzeugungen rund ums Geld. Also die Sätze, die in deinem Kopf ablaufen, wenn es um Sparen, Ausgeben, Schulden oder Investieren geht. „Über Geld spricht man nicht.“ „Geld verdirbt den Charakter.“ „Wer reich ist, hat bestimmt jemanden übers Ohr gehauen.“ „Leg lieber was zurück, man weiß ja nie.“ Kommt dir davon etwas bekannt vor?
Der Finanzpsychologe Brad Klontz nennt solche Überzeugungen Money Scripts, also Geld-Drehbücher. Sie entstehen nach seiner Annahme in der Kindheit, werden oft innerhalb von Familien weitergegeben und laufen meistens unbewusst ab (Klontz u. a., 2011). Das Doofe daran: Du triffst Entscheidungen nach einem Drehbuch, das du nie selbst geschrieben hast.
Warum ausgerechnet die Eltern?
Weil Kinder vor allem durch Zuschauen lernen. Kein Kind bekommt mit sechs Jahren einen Vortrag über Zinseszins. Aber es merkt sehr genau, ob am Monatsende gestritten wird, ob Papa beim Wort „Aktien“ die Augen verdreht oder ob Mama heimlich Geld zur Seite legt.
Forscher der Universität Cambridge haben 2013 für den britischen Money Advice Service ausgewertet, was über das Lernen von Kindern bekannt ist. Ihr Ergebnis: Wichtige Gewohnheiten im Umgang mit Geld, etwa vorausplanen oder auf eine Belohnung warten können, entstehen typischerweise schon früh in der Kindheit. Der damalige Forschungsleiter des Money Advice Service fasste es so zusammen: Das entscheidende Zeitfenster liege zwischen null und sieben Jahren (MPR News über die Studie von Whitebread und Bingham). Sieben Jahre. In dem Alter wusste ich, glaube ich, noch nicht mal, was ein Girokonto ist.
Auch für Deutschland gibt es hierzu Zahlen. Eine Fallstudie des DIW Berlin zeigte schon 2015, dass die finanzielle Erziehung durch die Eltern direkt mit der späteren Finanzbildung zusammenhängt (DIW Berlin, 2015). Und eine ganz frische Befragung von Oscar Stolper (Uni Marburg) unter 1.000 jungen Menschen zwischen 16 und 29 Jahren und 1.000 Eltern kommt zu diesen Ergebnissen (Wirtschaftsdienst, 2026):
- 👉 Drei von vier jungen Menschen sprechen regelmäßig oder gelegentlich mit ihren Eltern über Geld.
- 👉 Rund 70 % sehen ihre Eltern als wichtige Finanzberater. Und zwar auch dann noch, wenn sie längst ausgezogen sind.
- 👉 Wer Eltern hat, die selbst investieren, konnte deutlich öfter einfache Fragen zu Aktien, Fonds und ETFs beantworten: 40 % gegenüber 23 % bei jungen Menschen, deren Eltern nicht investieren.
Eltern sind also die ersten Finanzberater, die wir haben. Ohne Provision, aber leider auch mit ziemlich unterschiedlichem Wissen und Beratungsansätzen.
Kompass, Echolot oder Sandburg: Welche Eltern hattest du?
Spannend finde ich, dass es in der Studie von Stolper nicht nur darum geht, ob Eltern über Geld reden, sondern wie. Er beschreibt drei Muster:
| Eltern-Typ | Was sie tun | Kinder, die investieren |
|---|---|---|
| 🧭 Kompass-Eltern | Erklären Zusammenhänge und gehen über ihre eigenen Erfahrungen hinaus | 80 % |
| 📡 Echolot-Eltern | Geben vor allem eigene Erlebnisse weiter („Bei mir hat das damals …“) | 73 % |
| 🏖️ Sandburg-Eltern | Betonen Sparen, Sicherheit und Risiken vermeiden | 36 % |
Wichtig: Sandburg-Eltern sind keine schlechten Eltern. Sparen und Vorsicht sind erst mal gute Eigenschaften und ohne Notgroschen fängt man vielleicht auch lieber nicht mit dem Investieren an. Problematisch wird es aber, wenn aus „Sei vorsichtig“ ein „Finger weg“ wird. Dann bleibt das Geld zwar sicher, verliert aber Jahr für Jahr durch die Inflation an Wert. Stolpers Fazit lautet deshalb: Es kommt darauf an, Dinge zu erklären statt nur weiterzusagen und Risiken einzuordnen statt sie nur zu meiden.
Noch ein Detail aus der Studie: Frauen erinnern sich öfter an Botschaften wie „Spar lieber“ und „Mach keine Schulden“, Männer öfter an „Investier dein Geld“. Wenn die Eltern nicht investieren, investieren vor allem junge Frauen später deutlich seltener. Was extrem schade ist, denn laut Bundesarbeitsministerium steuert mehr als jede dritte Frau mit Vollzeitstelle selbst nach 40 Arbeitsjahren auf eine Rente von weniger als 1.000 € netto zu (tagesschau, 2023). Das hat laut Stolper allerdings weniger mit Wissen zu tun als mit Selbstvertrauen.
Die vier typischen Geld-Glaubenssätze
Klontz und sein Team haben in einer Befragung mit 422 Teilnehmenden vier typische Muster gefunden. Vielleicht erkennst du dich (oder deine Eltern) in einem davon wieder:
| Muster | Typischer Satz | Was dabei passieren kann |
|---|---|---|
| Geld meiden | „Geld ist schmutzig“ oder „Ich habe es nicht verdient“ | Man schaut nicht aufs Konto und kennt das eigene Vermögen nicht |
| Geld anbeten | „Mit mehr Geld wäre alles gut“ | Man jagt dem nächsten Euro hinterher und hat öfter Kreditkartenschulden |
| Geld als Status | „Ich bin, was ich habe“ | Man kauft, um mitzuhalten, nicht weil man es braucht |
| Geld bewachen | „Über Geld spricht man nicht“ | Man ist sparsam und vorsichtig, kann aber auch verschlossen und ängstlich werden |
Bevor du dich jetzt in eine Schublade steckst: Die meisten Menschen haben ein bisschen von allem. Und keins dieser Muster ist automatisch „falsch“. Etwas Wachsamkeit schützt zum Beispiel vor Schulden. Es geht nur darum, die eigenen Muster zu kennen, damit sie nicht heimlich das Steuer übernehmen.
💡 Tipp: Zwei Väter, zwei völlig verschiedene Geld-Drehbücher: Genau darum geht es auch in „Rich Dad Poor Dad“, einem meiner Buchtipp-Klassiker. Und warum Geld viel mehr mit Gefühlen zu tun hat als mit Zahlen, zeigt Morgan Housel in „Über die Psychologie des Geldes“.
Quiz: Welche Geld-Erziehung hattest du?
Beantworte die sechs Fragen so ehrlich wie möglich. Am Ende siehst du, welchem der drei Eltern-Typen aus der Studie deine Geld-Erziehung am nächsten kam.
6 Fragen, ca. 2 Minuten. Denk an die Zeit, als du ungefähr 8 bis 16 Jahre alt warst. Deine Antworten werden nicht gespeichert und nicht übertragen.
Die drei Eltern-Typen stammen aus der Befragung von Oscar Stolper (Wirtschaftsdienst 2026). Die Fragen und den Typ „Funkstille“ habe ich mir selbst ausgedacht. Das ist ein Mini-Check zum Nachdenken, kein wissenschaftlicher Test.
Egal was rauskommt: Nimm das Ergebnis nicht als Urteil, sondern als Anstoß. Frag dich vor allem, welche Überzeugung von damals dir heute hilft und welche dich vielleicht eher ausbremst.
💡 Tipp: Wie viel Risiko zu dir passt, kannst du mit meinem Anlagetyp-Quiz herausfinden. Spannend ist, das Ergebnis mit deinen Antworten von oben zu vergleichen.
In drei Schritten alte Muster ändern
Die gute Nachricht: Ein Drehbuch kann man umschreiben. Nicht über Nacht und auch nicht mit dreimal Affirmationen vor dem Spiegel, aber es geht.
1. Bemerken. Der erste Schritt ist der wichtigste. Achte eine Woche lang darauf, wann dir Sätze wie „Das können wir uns nicht leisten“ oder „Aktien sind zu riskant“ durch den Kopf gehen. Schreib sie auf. Was du benennen kannst, hat weniger Macht über dich.
2. Prüfen. Frag dich bei jedem Satz: Stimmt das eigentlich? Und stimmt das für mich und heute? Der Satz „Aktien sind Zockerei“ hatte für deine Eltern vielleicht einen echten Grund, etwa die geplatzte Dotcom-Blase oder die Telekom-Aktie. Ein breit gestreuter ETF, den du über viele Jahre besparst, ist aber etwas ganz anderes.
3. Neue Erfahrungen machen. Überzeugungen ändern sich am besten durch eigene Erlebnisse. Fang klein an: erst ein Notgroschen für ruhigen Schlaf und dann vielleicht ein Sparplan mit einem Betrag, der dir nicht wehtut. Wenn du ein paar Jahre dabeibleibst und auch mal einen Kursrutsch aushältst, schreibst du dein eigenes Drehbuch.
💡 Tipp: Warum es so schwerfällt, die eigene Meinung zu ändern und warum genau das trotzdem eine Stärke ist, erklärt Adam Grant in „Think Again“.
Und wenn du selbst Kinder hast?
Dann bist du jetzt die Quelle des Drehbuchs! Aus den Studien lassen sich ein paar einfache Ideen ableiten:
- 👉 Über Geld reden. Nicht über jede Rechnung, aber altersgerecht und ohne Tabu. Wer zu Hause nie etwas über Geld hört, lernt vor allem eins: dass man nicht darüber spricht.
- 👉 Erklären statt nur sagen. „Wir sparen dafür, weil …“ bringt mehr als „Das ist zu teuer“ oder „Das können wir uns nicht leisten!“. Das ist genau der Unterschied zwischen Kompass- und Sandburg-Eltern.
- 👉 Vorleben. Kinder schauen sich mehr ab, als sie zuhören. Wenn sie sehen, dass du einen Sparplan hast (oder Geld sparst) und bei schlechten Nachrichten (Waschmaschine ist kaputt!) nicht in Panik gerätst, lernen sie mehr als aus jedem Vortrag.
- 👉 Kleine Fehler zulassen. Wer sein Taschengeld am ersten Tag für Süßigkeiten ausgibt und den Rest der Woche blank ist, lernt etwas. Nur aus Fehlern können wir lernen und es ist vermutlich auch billiger als mit 30 die Erfahrung mit dem eigenen Dispo zu machen.
Fazit
- 👉 Dein Money Mindset sind deine Überzeugungen rund ums Geld. Viele davon hast du als Kind zu Hause aufgeschnappt.
- 👉 Eltern sind für die meisten jungen Menschen die wichtigsten Finanzberater. Wie sie über Geld reden, prägt, ob und wie ihre Kinder später investieren.
- 👉 Erklären wirkt besser als Warnen: Kinder von „Kompass-Eltern“ investieren deutlich häufiger als Kinder von „Sandburg-Eltern“.
- 👉 Alte Glaubenssätze kannst du ändern: bemerken, prüfen, neue Erfahrungen machen.
- 👉 Und das Wichtigste: Du bist mehr als deine Erziehung. Dein Geld-Drehbuch kannst du ab heute selbst weiterschreiben. Der beste Zeitpunkt zum Anfangen ist jetzt.
- 👉 Deine Eltern sind also natürlich nicht an allem schuld. Aber vielleicht lohnt sich beim nächsten Familienessen mal ein Gespräch über Geld 😉
Welcher Satz über Geld ist dir aus deiner Kindheit hängen geblieben? Schreib’s mir auf Instagram! 💬👇
💡 Tipp: Mit der Frühstartrente sollen Kinder ab sechs Jahren künftig monatlich 10 € vom Staat für ihre Altersvorsorge bekommen. Der Bundestag hat sie am 16. Oktober 2026 beschlossen, als Nächstes ist der Bundesrat dran. Mehr dazu steht in meinem Artikel zum Altersvorsorgedepot.
*Keine Anlageberatung oder Handlungsempfehlung und auch keine psychologische Beratung
*Die beschriebenen Typen und Muster dienen der Selbstreflexion und sind kein Test
*Alle Angaben ohne Gewähr
👉 Wie immer: Do your own Research!
Quellen: tagesschau: Viele Frauen erhalten zu wenig Rente (15.01.2023) · Stolper, O. (2026): Die Rolle elterlicher Finanzsozialisation für die Finanzbildung der Generation Z, Wirtschaftsdienst 106(7) · Klontz, B. u. a. (2011): Money Beliefs and Financial Behaviors, Journal of Financial Therapy 2(1) · DIW Berlin (2015): Die Kindheit prägt das Finanzverhalten bis ins Erwachsenenalter · MPR News (2013) über Whitebread und Bingham, University of Cambridge · Stand: 17. Oktober 2026

